
Reinhold Morizewitsch Glier (auch Gliere) (geboren am 11.1. (30.12.) 1875 in Kiew – gestorben am 23.6.1956 in Moskau) war der Sohn eines sächsischen Blasinstrumentenmachers. Ab 1894 studierte er am Mokauer Konservatorium Geige und Komposition, letzteres bei Arenski, Konjus und Tanejew. 1900 schloss er mit der Goldmedaille in Komposition sein Studium ab. Danach arbeitet er als Lehrer; der elfjährige Prokofjew war unter anderem sein Schüler. Zwischen 1906 und 08 lies er sich als Dirigent bei Oskar Fried in Berlin ausbilden und trat seither auch regelmäßig als solcher auf. 1914 wurde er Direktor des Kiewer Konservatoriums. Von 1938 – 48 war er Vorsitzender des Organisationskomitee des Sowjetischen Komponistenverbandes.
Das musikalische Schaffen Gliers ist sehr umfangreich; es umfasst praktisch alle traditionellen Gattungen. Glier stellte sich von Beginn an bewusst in die nationalrussische Tradition. Seine 3. Sinfonie findet eine gelungene Synthese zwischen nationalrussischer Tradition und impressionistischen Klangraffinement. Sie wurde früh im Ausland bekannt, u.a. durch den Einsatz Stokowskis, der mit des Komponisten Billigung eine um die Hälfte gekürzte Fassung der im Original 80minütigen Sinfonie erstellte. Aufgrund der meisterhaften Instrumentation und der gelungenen, am Programm ausgerichteten Formgestaltung wurde die Sinfonie mit den Werken Richard Strauss’ verglichen.
Zahlreiche staatliche Auszeichnungen wurden Glier zuteil. Diese galten teilweise seinem musikalischem Schaffen, teilweise der linientreuen Ausübung seiner Funktion als Vorsitzender des Sowjetischen Komponistenverbandes. Trotz aller Angepasstheit setzte er sich aber 1938 erfolgreich für die Freilassung seines einstigen Schülers Mosolov ein. Musikalisch war Glier als letzter lebender Vertreter der vorrevolutionären nationalrussischen Schule (als lebender Klassiker gewissermaßen) vor dem Standardvorwurf des Formalismus, der moderneren Werken zuteil wurde, gefeit.
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