Mächtiges Häuflein

Russlands Novatoren

Der Begriff „Mächtiges Häuflein" (auch „Novatoren", „Balakirew-Kreis" oder „ Neue Russische Musikschule" genannt) geht auf einen Artikel zurück, den der Bibliothekar und Kunsthistoriker Stasow nach einem Konzert 1867 für eine Zeitung verfasst hatte. Darin schrieb er: „Mögen sich unsere slawischen Gäste überzeugen, über wie viel Poesie, Gefühl, Begabung und Können das kleine, aber schon mächtige Häuflein der russischen Musiker verfügt." Er bezog sich damit auf die Komponisten, deren Werke in dem Konzert erklungen waren: Glinka, Dargomyzski, Rimski-Korsakow und Balakirev. Nach einer Rezension, in der 1873 dieser Komponistenkreis polemisch „Mächtiges Häuflein" wurde, etablierte sich der Begriff für den Komponistenkreis um Mili Balakirev, zu dem Borodin, Cui, Mussorgski, Rimski-Korsakow und zeitweilig Lodyshenski, Gussakowski und Stscherbatschow gehörten.

Die Novatoren lehnten eine akademische musikalischen Ausbildung und das Berufsmusikertum ab. Kompositionsübungen galten als Zeitverschwendung; stattdessen sollte sich gleich mit anspruchsvollen Formen wie als mustergültig erachtete Sinfonien beschäftigt werden. So begannen Rimski-Korsakow und Mussorgski auf Ermunterung Balakirews gleich mit dem Komponieren von Sinfonien, die während der Entstehung bei den Novatoren kritisch diskutiert wurden. Das anfangs fehlende handwerkliche Rüstzeug sowie eine hohe kritische Einstellung der Novatoren ließen die Entstehungszeit der Werke auf lange Zeit hinziehen. Die Bemühungen gegen Akademismus haben einerseits ihre Ursache in der nationalistischen Einstellung der Novatoren. Sie richteten sich möglicherweise gegen Anton Rubinstein, der Ausbildungsstätten für Musiker in Russland schaffen und dafür deutsche und tschechische Lehrer ins Land holen wollte, da russische nicht zur Verfügung standen. Andererseits gab es zu dieser Zeit auch in anderen Kunstzweigen die Bestrebung gegen eine akademische Ausbildung. Und drittens hatte Balakirew sich selbst im Komponieren unterwiesen, indem er einzig und allein die großen Werke der Klassiker und Romantiker musizierte und ihrere Partituren studierte.

Das Mächtige Häuflein wollte, auf dem Schaffen Glinkas und Dargomyshkis aufbauend, eine eigenständige national geprägte Musik schaffen. Grundlage jeglicher Musik sollte die Volkskunst sein. Das Zentrum der neuen Musik sollte die Sinfonie sein. Sie sollte programmatisch und mit Folklore-Zitaten sein; ansonsten nur 4-sätzig und ohne weitere Vorschriften hinsichtlich der Gestaltung einzelner Sätze.

Die Hauptaktivität des Mächtigen Häufleins lag Ende der 60iger und Anfang der 70iger Jahre.

Hörempfehlungen

Für Hörempfehlungen siehe die den einzelnen Komponisten des Mächtigen Häufleins gewidmeten Unterseiten: Mili Balakirew, Alexander Borodin, Cesar Cui, Nikolai Rimski-Korsakow, Modest Mussorgski.


























































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