Modest Mussorgski

Komponist des Mächtigen Häufleins

Modest Mussorgski (9.(21.)3.1839 Karewo – 16.(28.)3.1881 St. Petersburg) war der Sohn einer Gutsbesitzerfamilie. Er spielte bereits als 9-jähriger ein Klavierkonzert von Field. Zunächst schlug er eine militärische Laufbahn ein; 1851 ging er in eine militärische Vorbereitungsschule. 1856 lernte Mussorgski die Komponisten des Mächtigen Häufleins kennen. Er nahm Kompositions-Unterricht bei Balakirew, der ausschließlich aus 4-händigem Spiel und der Analyse der westeuropäischen Literatur bestand. Die Komponisten und Werke, die durchgenommen wurden, waren folgende: Beethoven-Sinfonien, Bach, Händel, Mozart, Schubert, Schumann, Liszt, Berlioz sowie die russischen Komponisten Glinka und Dargomyzski. 1858 quittierte Mussorgski den militärischen Dienst, um sich ganz der Musik zu widmen. Die Aufhebung der Leibeigenschaft 1871 zwang ihn in materielle Not. Aus diesem Grund zog er in eine Wohngemeinschaft und arbeitet in einer Stellung als kleiner Beamter; schrieb jahrelang Akten ab. Trotz des zunehmenden Alkoholkonsums, zu dem möglicherweise Misserfolge und die materielle Not führten, komponierte Mussorgski unentwegt weiter.

Mussorgski war die anpassbarste Persönlichkeit der Novatoren. Er folgte den Leitsätzen Stasovs, der die Sinfonie und das Streichquartett für überholt hielt. Die innerhalb des Balakirew-Kreises geführte übliche Diskussion seiner konkreten Arbeiten während ihrer Entstehungszeit und die dazugehörende Kritik führten dazu, dass er die Arbeit daran aufgab, aber Teile davon wieder in neuen Werken verwendete. So ist es auch geschehen in Eine Nacht auf dem Kahlen Berge – dem ersten selbständigen Orchesterstück Mussorgskis. Das Werk blieb wegen Balakirews Ablehnung unaufgeführt. Mussorgski arbeitete es für ein kollektives Opernprojekt des Kreises um, indem er das Stück um eine Chorpassage erweiterte. Auch dieses Projekt scheiterte, und er nahm die Chorfassung in eine seiner Opern auf.

Charakteristika der Kompositionen Mussorgskis sind: Reihung und Wiederholung von melodisch prägnanten Motiven anstatt einer ableitenden und entwickelnden Formentwicklung; eine Harmonik die durch viele Rückungen und Parallelführungen gekennzeichnet ist sowie neuartige Klangverbindungen, die Debussy später aufgreifen konnte; ein dunkler Orchestersatz.

Viele seiner Werke wurden durch Rimski-Korsakow neu instrumentiert und erklingen teilweise heute noch als übliche Fassung in Konzerten, wie beispielweise Eine Nacht auf dem kahlen Berge. Bei seinen Opern, die in den Instrumentationen von Rimski-Korsakow durchaus erfolgreich auf der Bühne waren, setzen sich in neuerer Zeit wieder die Originalfassungen durch, die durch Herbheit in der Harmonik und Instrumentation gekennzeichnet sind. Neben dem schon erwähnten Orchesterwerk „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“, das heutzutage gelegentlich zu hören ist, existieren noch 3 wietere einsätzige Orchesterstücke (Scherzo, Alla marcia notturna und Intermezzo symphonique in modo classico), die leider, ebenso wie die Kantate für Chor und Orchester Die Niederlage Sennacheribs, im heutigen Konzertleben keine Rolle mehr spielen. Das bekanntestete Werk Mussorgskys sind sicher seine Bilder einer Ausstellung; es geht auf eine Ausstellung zu Ehren des Malers Victor Hartmann, einem Freund des Komponisten, zurück, der im Vorjahr (1873) im Alter von 39 Jahren verstorben ist. Der Klaviersatz besitzt orchestrale Züge und veranlasste einige Komponisten zu einer Bearbeitung für Orchester; die bekannteste ist wohl die von Ravel.

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