
Cesar Antonowitsch Cui (6.(18.)1.1835 Wilna – 26.3.1918 Petrograd (heute St.Petersburg)) erhielt Unterricht bei St. Moniuszko in Vilnius. Von 1855 – 57 studierte er an der Militärischen Ingenieursakademie und wirkte dort anschließend als Dozent für Fortifikationswesen. 1856 schloss er Bekanntschaft mit Balakirew, 1857 mit Dargomyshski. Ab 1869 arbeitete er als Musikkritiker für verschiedene Zeitungen und propagierte dort auch die Ideen der Novatoren. Eine 1883 beginnende Freundschaft mit der belgischen Comtesse L. de Mercy-Argenteau bescherte ihm seinen letzten großen Erfolg als Komponist. Eine seiner Opern erklang als erste Oper aus dem Kreise des Mächtigen Häufleins im Westen; de Mercy-Argenteau verfasste eine Biographie über Cui; es war das erste westliche Buch über einen russischen Komponisten. Bis zu seiner Erblindung im Jahre 1916 war Cui weiterhin als Komponist sehr aktiv; seine Werke wurden allerdings immer weniger zur Kenntnis genommen. Trotzdem wurden – aus Respekt gegenüber dem letzten Überlebenden der Novatoren – fast alle Werke gedruckt und die Opern wenigstens einmal aufgeführt.
Cui propagierte die Ideen des Mächtigen Häufleins in seinen musikkritischen Zeitungsartikeln; er scheute dabei nicht, die Arbeit des Kreises zu kritisieren. Als Komponist verwendete Cui - entgegen des Ideals der Novatoren - in seinen Werken nationales Kolorit nur dann, wenn es dem Sujet entsprach. Zudem geriet er als ethnischer Nicht-Russe (seine Vater war Franzose, seine Mutter Litauerin) im Russland des Zaren Alexander des Dritten (1881 – 1894) zunehmend in die Defensive. Seitdem miet er ausgesprochene russische Sujets und komponierte stattdessen eine Oper für die französische Bühne und Lieder in polnischer und französischer Sprache. Während einigen seiner Lieder noch ein gewisses Interesse beschieden ist, ist dies bei seinen Instrumentalwerken seltsamerweise nicht der Fall. Seine frühen Scherzi und Suiten sowie seine Suite concertante für Violine und Orchester, die formalen Experimenten von Bruch oder Lalo nahe stehen, spielen im heutigen Konzertleben bedauerlicherweise keine Rolle; eine Einspielung konnte aber ausfindig gemacht werden:
Von den Preludes op. 64 existiert eine sehr hochkarätige, empfehlenswerte Einspielung (s.u.). Auch die Suiten und die Scherzi mit dem Russian State SO (auf der CD "A Feast in Time of Plague") sind hörenswert.
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