
Brahms an Herzogenberg, 19.3.1892:
Antwort Herzogenberg, 21.3.1892:„Teurer Freund, Wie herzlich dankbar empfinde ich Ihre gestrige Sendung, und wie glücklich muß Ihnen die Empfindung sein, den Freunden diese schönen und rührenden Blätter mitteilen zu können. Über wie vieles hat man sich zu fragen, in den lieblichen Stücken selbst und – daß z.B. ich wenigstens keine Ahnung von ihrem Vorhandensein hatte! Es wurde mir wohl gelegentlich gesagt, daß ein oder das andere Ihrer Lieder aus der Feder Ihrer Frau stamme.
Ich sehe mich vergebens um (in den serbischen Liedern namentlich), kann mich aber nicht entschließen, eines bestimmter darauf anzusprechen.
Der Gedanke wird Ihnen jedenfalls nahe treten, den Freunden Mitteilungen aus ihren Briefen zu gönnen. In den meinen bewahre ich – vor allem eine der treuesten Erinnerungen meines Lebens, dann aber auch einen reichen Schatz von Gemüt und Geist, der freilich nur mir gehört. Wie gern hörte ich sie aber von andern zu andern sprechen!“
„Daß die Ausgabe der Klavierstücke Ihren Beifall gefunden, freut mich mehr , als ich sagen kann. Mir war’s die liebste Arbeit, die ich je gemacht. Einige musste ich aus dem Gedächnis reproduzieren – für mich keine leichte, aber eine herzbewegende Zeit! Unter meinen Liedern ist außer op. 44, Nr. 7 keins von Lisl; ich hatte ursprünglich die Absicht, einige herauszugeben, stand aber davon ab, als ich bemerkte, daß ich gar zu viel hineinzumachen haben würde. Gelegentlich will ich Ihnen sie zeigen; in einigen ist viel Wärme des Ausdrucks und sehr sinnige, harmonisch-feine Stellen. Die Klavierstücke waren viel fertiger; was ich dazu tat, ist ganz ohne Belang.“