
Alexander Porfirjewitsch Borodin (12.11.(31.10.)1833 St. Petersburg – 27.2.(27.2.)1887 St.Petersburg) hatte Medizin und Chemie studiert und arbeitete als Professor für Chemie an der Universität in St.Petersburg. Die berufliche Tätigkeit sowie weitere gesellschaftliche (Borodin gründete 1872 eine medizinische Hochschulklasse für Frauen; er organisierte einen Singkreis, mit dessen Konzerteinnahmen er bedürftige Studentinnen unterstützte und sie gegebenenfalls bei sich wohnen ließ) ließen ihm nur wenig Zeit zum komponieren. Im Sommer waren dies die universitären Sommerpausen, im Winter nur eine Krankheit. Er selbst sagte: „Im Winter kann ich nur komponieren, wenn ich so krank bin, dass ich keine Vorlesungen halten kann und so gesund bin, dass ich mich mit noch etwas anderem beschäftigen kann. Deshalb wünschen meine Komponistenfreunde – konträr dem üblichen Brauch – nicht Gesundheit, sondern Krankheit.“ Diese Tatsache erklärt, dass Borodin nur wenige Werke komponierte, an denen er lange arbeitete.

Borodin stand im Austausch mit den Komponisten des „Mächtigen Häufleins“. Auf ihren Einfluss hin, wandte Bordin, der sich zunächst an Mendelsohn orientierte, russischen Sujets und russischer Folklore zu und vernachlässigte die Kammermusik, die in dem Kreis des „Mächtigen Häufleins“ als akademisch galt, für Jahre. In seiner 1. Sinfonie sind sowohl die Einflüsse westeuropäischer Komponisten als auch die russischer Komponisten (Glinka) zu finden. In den in den Jahren 1867 – 70 geschriebenen Lidern prägen sich die Besonderheiten der Borodinschen Klangsprache heraus (siehe unten: Hörempfehlungen). In Schlafende Prinzessin lässt er durchgehend einen Sekundklang erklingen, den er nicht mehr als aufzulösende Dissonanz empfand, sondern als eigene klangliche Färbung. Außerdem verwendet er hier Ganztonleitern. Im Lied vom finsteren Wald verwendet er, von Folklore beeinflusst, weitestgehend Unisono-Stimmführungen und verzichtet auf Leittöne und herkömmliche Modulationen sowie beendet Phrasenenden mit einer fallenden Terz.
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